Das Ars Electronica Festival in Linz ist weltweit einzigartig in seinen Schnittpunkten von Kunst, Technologie und Gesellschaft. Shiatsu-Praktiker Marco Lehner, selbst Absolvent einer mediengestaltenden Studienrichtung hat die Gelegenheit genutzt, an einem von pulsierend innovativer Energie getragenen Veranstaltungsort zu zeigen, wo Shiatsu in der Öffentlichkeit effektiv und unkompliziert eingesetzt werden kann.

FI: Wie kam es zu der Idee, auf dem Festival Shiatsu anzubieten?

Lehner: Ich habe selbst im Vorjahr als Infotrainer mitgemacht, weil mich das Thema ERROR und die einhergehende Würdigung von Fehlern in Kunst und Gesellschaft sehr interessiert hat. Die Ars hatte zwar immer schon einen sehr kritischen und ganzheitlich Blick auf die gesellschaftliche Entwicklung, aber ich hatte das bis dato noch nicht so wahrgenommen. Als ich heuer erneut das Angebot bekam, mitzuarbeiten, erinnerte ich mich an das dichte Programm, die illustre und abenteuerliche Kuration in der Post City und an einen schnell von Eindrücken überfluteten Kopf. Ich schrieb sofort einen ausführlichen Brief an die Festivalleitung, wie und warum Shiatsu auf der Ars eine tolle Ergänzung wäre.

FI: Wie haben die Besucher das Angebot aufgenommen?

Lehner: Das Festival hat heuer in etwa 110.000 Besucher verzeichnet, wenn ich die Medienberichte richtig wiedergebe. Davon hat sich natürlcih nur eine Handvoll in unsere ruhige Kemenate im oberen Stockwerk verirrt. Zahlreiche Aaaaah!s und Ahaa!s habe ich während dem Behandeln vernommen, einige Besucher traten ganz neugierig ein und sahen sich um, erkundigten sich auch, ob es sich um einen Teil der Ausstellung handelte. Die Ausstellungsfläche in der Post City, vor allem im Bunker und dem Paketspeicher ist an sich schon sehr poetisch und ruhig, auch wenn es an allen Ecken und Enden flimmert und surrt, in die Shiatsu-Lounge drang der Geräuschpegel nur von der Ferne heran und ermöglichte einen passenden Ruhepol, den einige Besucher begeistert wahrgenommen und dafür sogar halbstündige bis einstündige Wartezeiten in Kauf genommen haben. Gerade das internationale Publikum nutzte die fünf Tage intensiv und war sehr dankbar für die analoge Auszeit. Wir haben Besucher aus Tokio, Montreal, London, Dublin, Amsterdam und Linz behandelt.

FI: Ihr habt also bleibenden Eindruck hinterlassen?

Lehner: Ich würde sagen, die Shiatsu Lounge, wie sie von Festivalleiter Martin Honzik benannt und in den Ausstellungsbetrieb eingegliedert wurde, hat eine gute Ergänzung geboten. Die Welt ist im Augenblick hellwach und kümmert sich um die Belange, die in den letzten Jahren hinsichtlich Umwelt, Technologie und Wirtschaft zu kurz gekommen sind. Viele Künstler sehen darin die Hauptaufgabe ihres Schaffens und dafür ist das Ars Festival überhaupt entstanden. Und auch Shiatsu-Praktiker zeigen sich an diesen Schnittpunkten interessiert, denn all diese Einflüsse wirken auf uns und verändern uns auch körperlich. Es ist wichtig von Morgen zu träumen, aber heute sollte man mit beiden Füßen auf dem Boden stehen können.

FI: Bleibende Eindrücke von Dir?

Lehner: Die Muschelinstallation von Marco Barotti, der Sensoren in der Donau platzierte, und durch gemessene Charakteristika wie Strömung und Temperatur herrlich meditative Klänge erzeugt, die die Wasserqualität repräsentieren. Die Metapher dahinter ist, dass Muscheln in der Natur Detektoren für Schadstoffe sind.

Wenn man von Kunst spricht als etwas, das wesentliche Grundsätze aufgreift, entfremdet, kombiniert und in neuem Kontext anwendet, und so das Medium an sich sichtbar macht, dann findet sich darin Verbindung, Ganzheitlichkeit und Poesie. Und darunter fällt euch Shiatsu, denn es macht den eigenen Körper wieder deutlich sichtbar. Ein Besucher, der während einer Behandlung besonders nahe an meine Matte gekommen ist, fragte: Is this art?

Ich nickte grinsend. Yes, it is.

Marco Lehner